„...ist das Eichenparkett wirklich aus Eiche?“

Ein Gespräch über das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte

Vor drei Jahren, im März 2013, wurde das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte gegründet und die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) trat in Kraft. Ein guter Anlass, um die drei Hauptakteure – Gerald Koch, Bernd Degen und Matthias Dieter – nach dem Stand der Dinge zu befragen.


Matthias Dieter, Gerald Koch und Bernd Degen (© Martin Ohlmeyer/Thünen-Institut)

Welches Resümee ziehen Sie nach den ersten drei Jahren des Thünen-Kompetenzzentrums Holzherkünfte?

GK: Wir waren zu Beginn sehr überrascht, wie stark das Kompetenzzentrum nachgefragt wird. Nach Inkrafttreten der EUTR war die Unsicherheit der Marktteilnehmer deutlich erkennbar. Wir haben schnell gemerkt, wie wichtig es ist, unsere Erfahrungen auf dem Gebiet der Holzartenbestimmung und -herkunftsnachweise auszubauen. Durch die täglichen Anfragen aus aller Welt können wir recht gut einschätzen, welche Hölzer derzeit global gehandelt werden. Die Anfragen kommen jetzt zunehmend auch aus den Bereichen Holzwerkstoffe und Papier.

BD: Für uns war es eine spannende Zeit, weil wir den Spagat zu bewältigen hatten, einerseits die genetischen Methoden weiterzuentwickeln und gleichzeitig schon in die Praxis zu gehen und Prüfaufträge zu bearbeiten. Das war eine große Herausforderung, die wir aber gemeistert haben.

MD: In dem Zentrum sind unsere unterschiedlichen Kompetenzen – Holzartenbestimmung, Herkunftserkennung sowie Fragen der Zertifizierungen und der Marktströme – sehr gut unter einem Dach vereinigt. Das Kompetenzzentrum hat dazu beigetragen, dass die Handelsunternehmen wesentlich stärker sensibilisiert sind. Die Nachfragen nach der Anerkennung von Zertifikaten zeigen aber, dass die Trennung in einen Nachweis über Legalität und einen über Nachhaltigkeit nicht überzeugend ist; die Idee der Nachhaltigkeitszertifizierung, wie FSC oder PEFC, wird damit letztendlich beschädigt. Ziel sollte es sein, den Legalitätsnachweis im Zuge der Zertifizierung zu erbringen.  

Eine wichtige Überlegung für die Zukunft! Doch zurück zu heute: Wie sieht Ihre praktische Arbeit im Rahmen des Kompetenzzentrums aus?

GK: Wir bekommen zurzeit jeden Tag mindestens drei bis vier Einsendungen. Das technische Personal erstellt dann selbständig die mikroskopischen Präparate, an denen die Wissenschaftler die Bestimmung durchführen. In der Regel wird jeder Prüfauftrag innerhalb von zwei bis drei Tagen bearbeitet. 2015 haben wir insgesamt 595 Gutachten geschrieben. Da für jeden Bericht im Durchschnitt sechs Proben untersucht werden, kommen wir auf knapp 3.500 Proben in diesem Jahr.

BD: Für die Genetik sind wir noch dabei, Standardverfahren zu etablieren. Das funktioniert schon gut für Eichen und Lärchen. Für die Lärchen ist eine geographische Abgrenzung wichtig, um illegale Quellen aus kritischen Regionen auszuschließen: Im fernen Osten von Russland beispielsweise wird bekanntermaßen viel illegal eingeschlagen.  

Wer lässt bei Ihnen sein Holz überprüfen?

GK: Zwischen 65 und 70 % aller Anfragen nach Holzartenbestimmungen kamen in den letzten beiden Jahren aus dem klassischen Holzhandel. Dabei wurden viele Produkte getestet, die eigentlich gar nicht der EUTR unterliegen: Kinderspielzeuge, Musikinstrumente und andere Gebrauchsgegenstände. In diesen Fällen lassen die Handelsunternehmen prüfen, ob die verarbeiteten Hölzer mit der Deklaration übereinstimmen. In zunehmendem Maße erhalten wir Aufträge von den zuständigen Kontrollbehörden, weil wir ja im Gesetzestext als zuständige wissenschaftliche Instanz verankert sind. Zusammen mit den CITES-Kontrollen, bei denen es um Artenschutz geht, macht das gut ein Viertel der Anfragen aus. Auch NGOs schicken Proben bei uns ein. Und immerhin 3 % kommen von Privatkunden, die zum Beispiel sichergehen möchten, dass ihr Eichenparkett auch aus Eiche ist.

BD: Bei uns in der Genetik haben wir 2015 rund 400 Proben analysiert. Derzeit haben wir als Auftraggeber 55 % Holzhändler und Marktteilnehmer im weitesten Sinne, 22 % Behörden mit steigender Tendenz, 17 % Umweltverbände und 6 % andere. Gerade dieser kleine Bereich ist besonders interessant: Teilweise sind das Gutachten in Gerichtsverfahren, zum Beispiel um zu klären, ob ein Ast oder eine Wurzel zu einem bestimmten Baum gehört, um das dann besonderen „Schadereignissen“ zuzuordnen. An so etwas hatten wir bei der Gründung des Kompetenzzentrums gar nicht gedacht.

Anzahl Gutachten Holzanatomie (© Thünen-Institut)
Anzahl Gutachten Genetik (© Thünen-Institut)

Wie umfangreich sind Anfragen aus dem Ausland?

GK: Da zeigt sich eine spannende Entwicklung: Zunächst hatten wir nur 10 bis 15 % ausländische Anfragen. Der Anteil hat sich aber jetzt schon verdoppelt.

BD: Bei uns in der Genetik kamen von Anfang an mehr als 50 % der Anfragen aus dem Ausland: vor allem von britischen Behörden, aber auch aus Dänemark und der Schweiz. Auch aus den USA haben wir viele Proben bekommen: Weißeiche wird von dort zur Möbelverarbeitung nach China exportiert. Es ist dann zu klären, ob tatsächlich Eichenholz aus den USA und keine illegal eingeschlagenen Eichen aus anderen Regionen verwendet wurden.  

Führt das EUTR zu Veränderungen auf den Holzmärkten?

MD: Das können wir jetzt noch nicht sagen. Wir haben erst Daten über knapp zwei Jahre, für eine fundierte Analyse ist das zu kurz. Ich denke, wir werden erst 2017 mit einer Auswertung aufwarten können. Grundsätzlich wollen wir zwei Fragen nachgehen: Hat die EUTR zu einem Rückgang der Einfuhren nach Europa geführt und lässt sich erkennen, dass sich die Handelsstrukturen geändert haben? Damit meine ich, dass Europa mehr Holzprodukte aus relativ rechtssicheren Ländern bezieht und die Holzströme aus kritischeren Ländern in andere Länder umgeleitet werden, die keine vergleichbaren Regelungen haben.


Stand: März 2016  (PDF download)