Fragen und Antworten zu illegalem Holzeinschlag und zum Kompetenzzentrum

1) Wie viel Holz wird illegal eingeschlagen und gehandelt?

Illegal eingeschlagenes Holz kann in allen möglichen Produkten vorkommen: Bilderrahmen, Pinselstiele, Papier, Gartenstühle, Terrassendielen, Bücher. Nach Berechnungen des Thünen-Instituts für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie lag der weltweite illegale Holzeinschlag im Jahr 2009 bei 103 bis 284 Mio. Kubikmetern Rohholz, etwa 7 bis 17 Prozent des Gesamteinschlags. Deutschland importiert jährlich rund 120 Millionen Kubikmeter Holz oder Holzprodukte. Davon stammten im Jahr 2009 2,4 bis 5,2 Mio. Kubikmeter aus illegalen Quellen, rund zwei bis fünf Prozent der gesamten Holzeinfuhren.

Der Anteil des weltweit illegal eingeschlagenen Holzes ist seit 2002 um etwa 22 Prozent zurückgegangen. Grund sind zunehmende Gegenmaßnahmen der EU, Australiens und der USA.

Die seit März 2013 geltende EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) verbietet den Import und den Handel von illegal eingeschlagenem Holz und daraus hergestellten Produkten. Bestimmte Handelsgüter fallen aber bislang nicht unter diese Regelung. 2015 hat das Thünen-Institut untersucht, wie viel der in die EU eingeführten Holzmengen (Rohholz und Holzprodukte) von der EUTR erfasst werden. Das Ergebnis: Rund 90 % der eingeführten Holzmengen und drei Viertel der importierten Warenwerte werden durch die Verordnung abgedeckt.

2) Was sind die ökologischen Folgen?

Rund 13 Millionen Hektar Wald werden jedes Jahr weltweit zerstört. Umgerechnet sind das mehr als 50.000 Fußballfelder pro Tag. Die Folgen für die Umwelt: Wälder werden entgegen den Standards forstwirtschaftlicher Praxis nicht nachhaltig bewirtschaftet. Unsachgemäße Ernteverfahren beschädigen die Waldböden. All dies gefährdet die Artenvielfalt und die Stabilität der Wälder. Die Folge sind großflächige Entwaldung und damit erhöhte CO2-Emissionen. Gleichzeitig gehen wertvolle Waldbestände verloren, die ihrerseits überschüssiges CO2 binden könnten. Der Klimawandel schreitet fort.

3) Was sind die wirtschaftlichen Folgen?

Durch illegalen Holzeinschlag entgehen den betroffenen Staaten steuerliche Einnahmen und Gebühren, gleichzeitig fördert er die Korruption. Die Zerstörung der Ökosysteme gefährdet das Einkommen der lokalen Bevölkerung in den betroffenen Ländern. Nach Schätzungen der Weltbank entgeht der Weltwirtschaft jedes Jahr ein Umsatz von zehn bis 15 Milliarden US-Dollar durch illegalen Holzeinschlag. Außerdem gilt: Wer Holzprodukte illegal handelt oder verarbeitet, kann dies zu niedrigeren Preisen tun. Das erhöht den wirtschaftlichen Druck auf gesetzeskonform tätige Unternehmen. Dadurch gerät die nachhaltige Waldbewirtschaftung unter Druck, auch in Deutschland.

4) Welche Länder sind von illegalem Holzeinschlag betroffen?

siehe Beschreibung
Die Grafik zeigt die fünf am stärksten von illegalem Holzeinschlag betroffenen Länder in Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa. Angaben in Prozent. (© Dieter Englert, Weimar 2012)

Betroffen sind vor allem die tropischen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sowie Sibirien. Die Abbildung listet die jeweils fünf am stärksten betroffenen Länder auf vier Kontinenten auf. Durch den internationalen Handel und die globale Arbeitsteilung kann illegal eingeschlagenes Holz auch in Holzprodukten enthalten sein, die aus nicht direkt betroffenen Ländern eingeführt werden.

5) Inwieweit sind Verbraucher betroffen?

Durch den Handel mit illegalen Hölzern wird der Verbraucher getäuscht. Beispielsweise kommen illegale (aber auch legale) Hölzer als sogenannte „Austauschhölzer“, also unter falscher Deklaration in den Handel. Sie sind häufig minderwertig, wodurch oft auch ein finanzieller Schaden entsteht. Denn für diese Produkte wird in der Regel ein zu hoher Preis bezahlt, beispielsweise wenn sie als hochwertigere Holzarten wie Mahagoni deklariert sind.

Ein weiterer Punkt sind gefährdete und geschützte Holzarten. Die Behörden stellen z.B. immer wieder teure Musikinstrumente sicher, die geschützte Hölzer enthalten (z.B. Rio-Palisander in Griffbrettern von Gitarren), ohne dass dies aus den Begleitdokumenten hervorgeht.

6) Kann der Verbraucher illegal eingeschlagenes Holz als solches erkennen?

Für Laien ist die Art und Herkunft, insbesondere der tropischen Hölzer, in der Regel nicht überprüfbar. Durch die neuen rechtlichen Vorschriften sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass keine Produkte aus illegalem Holzeinschlag auf den EU-Binnenmarkt kommen. Doch für die Verbraucher ist eine andere Art der Illegalität von besonderer Bedeutung:  falsch deklarierte Holzprodukte (die durchaus aus legalem Einschlag stammen können). Sie werden für Verbraucher meist erst dann augenfällig, wenn minderwertige Eigenschaften zutage treten - wenn zum Beispiel Pilze das Holz befallen oder Rissbildungen und Verformungen auftreten. Hier kann das Thünen-Kompetenzzentrum durch zweifelsfreie Bestimmung der Hölzer einen direkten Beitrag zum Verbraucherschutz leisten.

Verbraucher können etwas für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder tun, indem sie beim Kauf auf verlässliche forstliche Nachhaltigkeitszertifikate wie PEFC oder FSC achten.

7) Wie kann der illegale Holzeinschlag bekämpft werden?

Ein Weg gegen die Zerstörung der Wälder ist eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Dafür müssen bei der Holzernte zunächst einmal die nationalen Gesetze eingehalten werden, was jedoch nicht in allen Ländern der Welt gewährleistet ist. Gegen den illegalen Holzeinschlag und die Vermarktung dieser Hölzer geht die EU deshalb im Rahmen des FLEGT‐Aktionsplans (Forest Law Enforcement, Governance and Trade) vor.

Die ab 3. März 2013 gültige EU-Holzhandelsverordnung setzt auf der Nachfrageseite an. Sie verbietet die Vermarktung von Holz und Holzerzeugnissen aus illegalem Einschlag innerhalb der EU. Wer Holz erstmals in den Verkehr bringt, muss sicherstellen, dass es aus legalen Quellen stammt und dazu verschiedenen Sorgfaltspflichten nachkommen. Er muss Art und Herkunft des Holzes sowie Lieferanten angeben und bei Bedarf Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos ergreifen, dass das Holz aus illegalem Einschlag stammen könnte.

Die Holzhandelsverordnung ergänzt die bestehenden, vor Ort ansetzenden Partnerschaftsabkommen mit bislang sechs Tropenländern (Ghana, Republik Kongo, Republik Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Indonesien und Liberia). Diese Staaten richten ein Genehmigungs- und Lizenzsystem ein um zu gewährleisten, dass nur legal eingeschlagenes Holz in die EU exportiert wird. Neben der EU haben auch die USA und Australien Gesetze gegen den Handel mit illegal eingeschlagenem Holz erlassen.

8) Wie werden gefährdete Baumarten geschützt?

Den Schutz gefährdeter Baumarten regelt das regelt das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES). Handelsrelevante, gefährdete tropische Baumarten sollen naturverträglich genutzt werden. CITES listet derzeit mehr als 200 im Handel befindliche gefährdete Holzarten. Für Arten mit der höchsten Schutzstufe (WA-Appendix I) gilt ein striktes Handelsverbot, ähnlich wie beim Elfenbein. Arten der zweiten und dritten Schutzstufe dürfen nur mit strengen Auflagen gehandelt werden. Die gesamte Produktkette vom Einschlag bis zur Verladung ist zu kontrollieren. Importländer wie Deutschland prüfen die Einfuhren durch geschultes Personal des Zolls und der Artenschutzbehörden. Als praktische Erkennungshilfe hat das Thünen-Institut die computergestützte Bestimmungssoftware "CITESwoodID" entwickelt, die europaweit eingesetzt wird.

Die am stärksten international gehandelten und in CITES gelisteten Baumarten sind das amerikanische Mahagoni, das dekorative afrikanische Afrormosia sowie das vor allem aus Malaysia und Indonesien importierte Ramin.

9) Welche Aufgaben übernimmt das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte?

Das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte weist Herkunft und Art von Holz und Holzprodukten zweifelsfrei nach. Dabei kann das Zentrum auf eine der weltweit größten wissenschaftlichen Holzsammlungen (Xylothek) mit ca. 37.500 Mustern und 50.000 mikroskopischen Präparaten zurückgreifen. Diese sind das Referenzmaterial für die makroskopische und mikroskopische Bestimmung von Hölzern und für den Aufbau einer genetischen Datenbank, die für den genetischen Holzarten- und Herkunftsnachweis benötigt wird. Darüber hinaus bildet das Zentrum Wissenschaftler aus holzproduzierenden Ländern aus und unterstützt sie in Afrika und Russland, z.B. beim Aufbau genetischer Referenzlabore. Diese sollen künftig einen Teil der Kontrollen vor Ort durchführen. An das Kompetenzzentrum können sich Verbraucher, Verbände und Unternehmen wenden, um Holzproben untersuchen zu lassen. Auch für Fragen rund um Legalität, Nachhaltigkeit und Handelsströme hält das Zentrum Expertise vor.

10) Welche Methoden der Holzart- und -herkunftsbestimmung werden angewandt?

Makroskopische Holzartenbestimmung: Diese Methode eignet sich für eine erste zuverlässige Einschätzung, ob es sich um die richtig deklarierte Holzart oder Handelsbezeichnung handelt. Für die makroskopische Bestimmung werden die Querschnittflächen der Proben mit einem Cutter angeschnitten und die Strukturmerkmale mit einer Lupe (10- bis 12-fache Vergrößerung) untersucht. Wichtige Handelshölzer können so bereits sicher auf Gattung- bzw. Artniveau bestimmt werden.

Mikroskopische Holzartenbestimmung: Für offizielle Gutachten, die auch vor Gericht standhalten, führt das Thünen-Kompetenzzentrum mikroskopische Analysen durch. Dazu stellen die Wissenschaftler mikroskopische Schnitte von den zu untersuchenden Proben her. Unter dem Lichtmikroskop werden die Hölzer anhand von ca. 100 anatomischen Strukturmerkmalen verglichen und sicher auf Gattungsebene bzw. Art bestimmt. Die mikroskopischen Techniken können routinemäßig für die Bestimmung von allen Massivhölzern bis hin zu sehr dünnen Furnierlagen (Schichtdicken unter 0,15 mm) eingesetzt werden.

Genetische Holzarten- und Holzherkunftsbestimmung: Zur artgenauen Identifizierung der Hölzer entwickelt das Thünen-Kompetenzzentrum praxistaugliche Testverfahren auf der Basis molekularer Marker. Mit Hilfe dieser genetischen Barcodes lassen sich auch einige Arten identifizieren, die mit den anderen Methoden nur schwer unterscheidbar sind. Je nach vorliegendem Datenmaterial soll es im Einzelfall möglich sein, die Herkunft eines Holzes bis auf weniger als 30 km genau zu bestimmen. Dafür erfassen die Wissenschaftler zunächst das räumlich-genetische Muster der Bäume in einem Zielgebiet. Dies können das Verbreitungsgebiet einer Baumart, bestimmte Regionen eines Landes oder eine noch kleinere räumliche Einheit sein. Die Wissenschaftler sammeln für jede Baumart in der jeweiligen Zielregion Stichproben und untersuchen diese mit modernen Genmarkern. Die so ermittelten Daten zur geographisch-genetischen Struktur bilden Referenzdaten für die Zuordnung der Holzproben. Hiermit kann überprüft werden, ob Angaben zu Ursprungsland und -region richtig sind. Dabei gilt: Je höher die Qualität der genetischen Referenzdaten, je höher die Zahl der Stichproben und je variantenreicher die Genmarker, desto genauer kann die Herkunft bestimmt werden.

Als fälschungssichere genetische Methode wird zudem ein Verfahren angeboten, bei dem während der Holzernte Proben genommen werden. An beliebiger Stelle in der Handelskette lässt sich dann mit einer Zweitprobe die genetische Übereinstimmung feststellen. Hiermit lassen sich schriftliche Dokumente zur Verarbeitungs- und Handelskette absichern.

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