Ein kurzer Abriss über die deutschen Fischereiforschungsschiffe

Wie die Zahlenangabe im Namen „Walther Herwig III“ vermuten lässt, sind die jetzigen Forschungsschiffe nicht die ersten ihrer Art.

Die Anton Dohrn an der Pier in Bremerhaven (© R. Hollnagel)

Das erste Fischereiforschungsschiff der Bundesrepublik Deutschland war die „Anton Dohrn“. Der dampfgetriebene Seitenfänger – 62,30 m lang und 10,20 m breit – lief 1954 vom Stapel und wurde am 3. März 1955 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss in Dienst gestellt. Bis 1972 dauerte die Karriere als Forschungsschiff, in dieser Zeit legte die „Anton Dohrn“ auf 164 Reisen mehr als 600.000 Seemeilen ( > 1,11 Mio. km) zurück. Danach diente sie unter dem Namen „Meerkatze II“ noch weitere 14 Jahre als Fischereischutzboot. 1986 wurde sie abgewrackt. Eine eigene Website zeichnet die Historie und die Fahrten der „Anton Dohrn“ nach.

 

Die „Walther Herwig“ 1972 südlich von Island (© R. Huxmann)

1963 bekam die bundesdeutsche Fischereiforschung durch das Forschungsschiff „Walther Herwig“ Verstärkung. Der neue, deutlich größere und modernere Heckfänger wurde 1972, nach Außerdienststellung der alten „Anton Dohrn“, in „Anton Dohrn“ umbenannt. 1986 wurde sie außer Dienst gestellt und verkauft, 1993 abgewrackt. 1973 wurde eine zweite „Walther Herwig“ in Dienst gestellt, die rund 20 Jahre als Forschungsschiff in der Nord- und Ostsee und dem Atlantik unterwegs war. Die Reisen führten bis in die Antarktis. 1993 löste die jetzige „Walther Herwig III“ das Vorgängerschiff ab.  Neben regelmäßigen Surveys in der Nord- und Ostsee unternimmt das Schiff Forschungsreisen  in grönländische Gewässer, untersuchte bislang dreimal die „Kinderstube“ des Aals in der Sargasso-See und im Rahmen internationaler Kooperationen zweimal das marine Ökosystem vor Westafrika (siehe See-Tagebücher).

Von der Schiffstaufe der „Walther Herwig III“ am 16.12.1993 ist noch ein kurzes Amateurvideo erhalten.


Die alte "Solea" 2004 auf Vergleichsfahrt zusammen mit dem Nachfolgeschiff (im Hintergrund) (© Thünen-Institut/C. Zimmermann)

Das erste Forschungsschiff mit Namen „Solea“ lief 1973 vom Stapel und wurde 1974 in Dienst gestellt. Mit einer Länge von 35,40 m war es deutlich kleiner als die „Walther Herwig“ und vor allem für Fahrten in der Nord- und Ostsee konzipiert. Während die deutsche Kutterflotte zu dieser Zeit noch fast vollständig aus Seitenfängern bestand, war die „Solea“ schon ein moderner Heckfänger. Nach 30 Dienstjahren wurde sie 2004 durch die jetzige „Solea“ ersetzt, ebenfalls ein Heckfänger, der sich vor allem durch geringe Schall-Emissionen auszeichnet. Das alte Schiff gibt es immer noch: Nach seiner Außerdienststellung wurde es verkauft, zur Motorjacht umgebaut und befährt jetzt unter dem gleichen Namen vorwiegend das Mittelmeer.


Die "Clupea" auf der Rückfahrt zum Heimathafen (© Thünen-Institut)

Die Vorgeschichte der jetzigen „Clupea“ begann 1949. In diesem Jahr wurde auf der ostdeutschen Boddenwerft ein 17,60 m langer hölzerner Seitenfänger gebaut, der als kommerzieller Fischkutter „Erfurt“ seine Arbeit in der Ostsee aufnahm. 1982 charterte das damalige DDR-Institut für Hochseefischerei und Fischverarbeitung den Kutter, kaufte ihn 1983 und baute ihn zum Forschungskutter „Clupea“ um. Als solcher blieb er bis 2012 im Dienst. Wegen seines geringen Tiefgangs konnte er in den flachen Küsten- und Boddengewässern eingesetzt werden.  2012 wurde der Kutter durch die jetzige „Clupea“ ersetzt. Dieses Schiff ist mit 28,80 m Länge deutlich größer und bietet wesentlich bessere Arbeitsbedingungen. Es hat aber ebenfalls einen ähnlich geringen Tiefgang und kann dadurch auch die flachen Boddengebiete befahren. Die alte „Clupea“ wurde verkauft und fährt noch heute, mehr als 60 Jahre nach ihrem Bau, unter neuem Namen in der Ostsee.