Warum sterben Bäume?

Internationaler Workshop in Hannover will zur Klärung von Ursachen beitragen und Beobachtungssysteme verbessern

In verschiedenen Waldgebieten der Erde sterben Bäume großflächig ab, ohne dass die Ursachen genauer bekannt sind. Um hier einen Überblick zu bekommen und Erklärungen zu finden, treffen sich vom 21.-23. Juni 2017 mehr als 70 namenhafte Wissenschaftler und Praktiker aus der ganzen Welt zu einem Workshop in Hannover. Unter anderem soll dort eine App entwickelt werden, die auch von der Bevölkerung mit Daten „gefüttert“ werden kann.  

Das Absterben von Bäumen und ganzen Waldgebieten schreckte in den 1980er Jahren Europa auf. Das „Waldsterben“, ausgelöst durch erhöhte Schadstoffbelastungen in der Luft, konnte jedoch durch eine konsequente Umweltpolitik schnell gebremst werden. Nun, fast 40 Jahre später, zirkulieren erneut Nachrichten über das Absterben von Bäumen, diesmal nicht aufgrund von Schadstoffen, sondern von Klimaveränderungen. Was genau passiert dabei und welches Ausmaß hat das Absterben auf globaler Ebene? In zivilisationsnahen Gebieten wird der Zustand des Waldes zwar systematisch in Bestandsaufnahmen erfasst, doch in entlegenen, großen Waldgebieten wie in den Tropen oder weiten Teilen der borealen Wälder fehlen solche Daten. Der Einsatz von satellitenbasierten Verfahren kann hier Abhilfe schaffen. Leider fehlt jedoch oft die Schnittstelle zwischen dem, was der Satellit aufnimmt, und dem, was im Bestand passiert.  

„Wir können die Bilder nicht eindeutig interpretieren und daher nicht die entsprechenden Konsequenzen ziehen“, bringt Henrik Hartmann vom MPI Jena das Problem auf den Punkt. Der Workshop soll die Voraussetzungen schaffen, flächendeckende Satelliten-Daten mit den hochauflösenden Daten von Monitoring-Netzen, Waldinventuren und flugzeuggetragenen Erfassungssystemen wie LIDAR zu vernetzen.  

Hier kommt auch die App ins Spiel, mit der Wissenschaftler, Förster und die Bevölkerung beobachtete Schäden schnell und mit präziser Ortsangabe melden können. Diese Informationen werden auf Satellitenbildern verortet und bilden eine aktuelle Karte der Absterbeprozesse von Waldbäumen. So können Risikogebiete schnell identifiziert und Ausbreitung und Ursachen gezielt erforscht werden. Eine typische „Citizen Science“-Aktivität, bei der die Bevölkerung aktiv zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn beiträgt!  

Der Workshop findet in Hannover im Schloss Herrenhausen statt. Impulsvorträge halten unter anderem der US-amerikanische Ökologe Craig Allen zu „Global drought-induced tree mortality and current challenges“ und der Forstwissenschaftler Andreas Bolte vom deutschen Thünen-Institut zu „Terrestrial tree mortality monitoring at different scales“. Weitere Redner sind William Anderegg (USA), Matthew Hansen (USA) und Belinda Medlyn (Australien).