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Ausbildung

"Es geht um die Balance zwischen Freiraum und Lernen"
Ein Gespräch mit einer Ausbilderin und ihrem letzten Auszubildenden in Waldsieversdorf

(aus: Wissenschaft erleben 2013/2)

„… Es geht um die Balance zwischen Freiraum und Lernen“

Interview mit einer Ausbilderin und ihrem letzten Auszubildenden in Waldsieversdorf

Am Standort Waldsieversdorf des Thünen-Instituts für Forstgenetik, 50 km östlich von Berlin, traf „Wissenschaft erleben“ Elke Ewald und Lennart Becker. Elke Ewald ist seit 20 Jahren Ausbilderin. Im nächsten Jahr geht sie in Altersteilzeit. Lennart Becker war ihr letzter Auszubildender – ein Blick zurück und ein Blick nach vorn.


Elke Ewald im Geschächshaus
Ausbilderin Elke Ewald (© Thünen-Institut/Nicole Wellbrock)

Frau Ewald, werden Sie etwas vermissen, wenn Sie das Institut nach so vielen Jahren verlassen?

EE: Ja sehr viel. Ich würde gern noch weitermachen. Aber mit der Schließung des Standortes hier endet meine Aufgabe. Die Menschen und der persönliche Kontakt werden mir sehr fehlen.

Sie sind seit 1983 am Standort Waldsieversdorf. Zwanzig junge Menschen haben Sie in dieser Zeit auf den Beruf vorbereitet. Wie kam es, dass Sie Ausbilderin wurden?

EE: Ursprünglich habe ich im Krankenhaus als medi­zinisch-technische Fachassistentin gearbeitet. Seit 1983 bin ich an den Vorgängerinstitutionen des jetzigen Thünen-Instituts in Waldsieversdorf tätig. Nach der Wende wurde hier jemand gesucht, der die Ausbildung übernimmt. Das hat mich gereizt, und ich habe sechs Monate eine Fortbildung in Bonn gemacht. Das war sehr aufregend. Ich habe den Schritt nie bereut, es hat mir immer Spaß gemacht.

Was gehört zu ihren Aufgaben?

EE: Die Ausbildung nimmt einen großen Teil meiner Arbeit ein. Neben den fachlichen Aspekten erle­dige ich die gesamte Organisation – Wer arbeitet wann in welchem Ausbildungsbereich? Wann und wo ist die Berufsschule? Aber noch wichtiger ist die menschliche Seite. Wenn so junge Menschen zu uns kommen, sind sie noch fast Kinder, die man an die Hand nimmt. Hier geht es um die Balance zwischen Freiraum und Lernen. Und man muss auch mal trö­sten können oder streng sein.

Lennart Becker im Versuchsfeld
Lennart Becker, Auszubildender zum Biolaborant (© Thünen-Institut/Nicole Wellbrock)

Herr Becker, wenn Sie einem Menschen, der Elke Ewald nicht kennt, diese Frau beschreiben sollen, was würden Sie sagen?

LB: Sie hat etwas Beschützendes. Sie ist sehr herz­lich, aber sie fordert auch Leistung ein.

Und? Können Sie mit dieser Beschreibung leben, Frau Ewald?

EE (lacht): Ja, sehr gut. Ich bin nicht nachtragend, auch wenn ich mal meckere. Am Ende sind die Aus­zubildenden und ich zufrieden gewesen.

Herr Becker, wie sind Sie zu der Ausbildung zum Biologielaboranten gekommen? Kannten Sie das Thünen-Institut vor ihrer Berufausbildung?

LB: Ich hatte in der Schule Leistungskurs Biologie und wollte weiterhin etwas Naturwissenschaftliches machen. Aber ich wollte damals nicht studieren. Nein, das Thünen-Institut kannte ich vorher nicht.

Was macht das Besondere der Ausbildung zum Biologielaboranten hier am Standort aus?

LB: Die Ausbildung verbindet Theorie und Praxis sehr gut miteinander. Man wird auch in andere Insti­tute geschickt, zum Beispiel zum Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Dort konnte ich ein Tier­praktikum absolvieren. Die Ausbildung bereitet sehr gut auf das Leben vor. Man muss Leistung zeigen, erhält aber auch viele Möglichkeiten. Außerdem ist die Anbindung an die Wissenschaft sehr gut, da die Kommunikation mit den Wissenschaftlern funktio­niert. So weiß auch der Auszubildende, warum und wofür welche Arbeiten wichtig sind.

EE: Wir versuchen, den Auszubildenden alle Mög­lichkeiten, die das Thünen-Institut in seiner Breite bietet, zu geben. Neben der fachlichen Ausbildung ist auch die menschliche Seite wichtig.

Gab es ein besonderes Ereignis in Ihrer Zeit in Waldsieversdorf?

LB: Frau Ewald hat immer alle Möglichkeiten, die das Thünen-Institut bietet, für die Auszubildenden aus­gelotet. So durfte ich einmal mit dem Forschungs­schiff „Walther Herwig“ in der Nordsee auf große Fahrt gehen und dort mitarbeiten. Für mich war es ein besonderes Erlebnis, auf See zu sein und die For­schung dort zu sehen. Auch die Internationalität der Menschen an Bord war interessant. Alle Gespräche wurden in Englisch geführt.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten Jahre?

EE: Ich weiß es noch nicht so genau. Mir wird der Ruhestand schwer fallen. Die Arbeit mit den jungen Menschen wird mir fehlen. Mein Mann und ich haben einen Garten. Meine Enkelkinder freuen sich schon darauf, dass ich mehr Zeit habe. Auf jeden Fall muss man sich was zur Beschäftigung suchen.

LB: Häufig hört man ja: Familie, Haus usw., aber das ist für mich noch sehr weit weg. Ich möchte erst mal studieren – Lehramt für Biologie und Chemie in Potsdam.

Warum studieren Sie auf Lehramt, reizt Sie die Tätigkeit eines Wissenschaftlers nicht?

LB: Mir ist Sicherheit im Berufsleben wichtig. Als Wissenschaftler hat man häufig nur Zeitverträge und wechselt oft den Wohnort.

Frau Ewald, Herr Becker, vielen Dank für das Gespräch und viel Glück für die Zukunft.

Arbeiten auf der versuchsfläche: Lennart Becker und Mitarbeiterin Hannelore Enkisch beim Vermessen von Hybridaspen. (© Thünen-Institut/Nicole Wellbrock)

Quelle: Wissenschaft erleben 2013/2 (PDF Download)