MACS-G20-Workshop zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen

Seit 2012 vertritt das Thünen-Institut gemeinsam mit dem BMEL Deutschland beim
„Meeting of Agricultural Chief Scientists of G20 States“ (MACS-G20). Während der diesjährigen deutschen G20-Präsidentschaft finden in Deutschland mehrere internationale Tagungen und Workshops zur Agrar- und Ernährungsforschung statt. Den Auftakt bildete vom 20. bis 22. Juni in Berlin der vom Thünen-Institut organisierte und geleitete internationale MACS-G20-Workshop „Reducing Food Losses & Waste: success stories, barriers, strategies for action“.


FAO-Schätzungen zufolge belaufen sich die globalen Lebensmittelverluste und -abfälle (food losses and waste ­– FLW) derzeit auf 1,3 Milliarden t/Jahr – eine Menge, die eine wachsende Weltbevölkerung gut ernähren könnte, aber nicht zur Verfügung steht. Deren letztlich vergebliche Produktion Treibhausgas-Emissionen (THG) verursacht, die, wären die 1,3 Milliarden Tonnen ein Land, diesem „Waste-Country“ hinter China und den USA den dritten Platz der größten THG-Emittenten bescheren würde. Und die eine immense Ressourcenverschwendung darstellt – sei es an genutzter Fläche, an Dünger, Wasser, Energie, Arbeit oder finanziellen Investitionen.

Beim MACS-Meeting 2015 in Izmir (Türkei) beschlossen die Delegierten der G20-Staaten daher, ihre Forschungs- und Politikberatungskapazitäten zu bündeln und eine Initiative zur spürbaren FLW-Reduzierung zu gründen. Deutschland übernahm dafür die Federführung. Nach der Etablierung eines Onlineportals zur Erfassung einschlägiger Forschungsprojekte und Expertenprofile im Jahr 2016 organisierte Stefan Lange, einer der drei deutschen MACS-Delegierten, gemeinsam mit Daniela Weible (Thünen-Institut für Marktanalyse) einen Workshop und lud FLW-Experten aus den G20-Staaten, internationalen Organisationen, Stiftungen etc. vom 20. bis 22. Juni nach Berlin ein. Der Einladung folgten Teilnehmer aus 17 Ländern, der FAO, der OECD, der EU-Kommission, von Stiftungen und NGOs.

Eindrücke vom Workshop in Berlin

Ziel des Treffens war es, die wichtigsten Koordinatoren bestehender nationaler Strategiekonzepte zur FLW-Minderung sowie multinationaler Plattformen, Initiativen, Projekte und Stiftungen mit einschlägigen Förderprogrammen zusammenzubringen. Drei Tage tauschten die Teilnehmer in moderierten Kleingruppen und im Plenum ihre Erfahrungen aus, um

  • bezüglich erfolgreicher Ansätze und fehlgeschlagener Bemühungen voneinander zu lernen und
  • Konzeptideen und Handlungsoptionen für die oben genannte MACS-Initiative zu entwickeln, damit diese die laufenden nationalen und internationalen Aktivitäten nicht kopiert oder gar behindert, sondern bestmöglich unterstützt.

Programm, Teilnehmerverzeichnis und Impressionen des Meetings finden sich auf der Workshop-Homepage. Auf dieser Website werden in Kürze auch die in Berlin gezeigten Präsentationen und das derzeit in Erarbeitung befindliche MACS-FLW-Konzept eingestellt, und hier wird auch über den Fortgang der Arbeiten berichtet.

Um realen Impact, das heißt eine tatsächliche FLW-Minderung zu erreichen, braucht die MACS-Initiative eine langfristige Perspektive. Deshalb hat das Thünen-Institut für Marktanalyse Felicitas Schneider eingestellt, die in den nächsten vier Jahren zusammen mit Stefan Lange die MACS-G20-Aktivitäten zur FLW-Minderung vorantreiben und koordinieren wird. Felicitas Schneider kommt vom Institut für Abfallwirtschaft der BOKU Wien und hat dort bereits seit 16 Jahren zur Abfallvermeidung und -reduzierung geforscht und Praxiskonzepte implementiert.