Chinesische Wissenschaftler besuchen Thünen-Institut – Kooperation vereinbart

Chinas Agrarwirtschaft steht vor großen Aufgaben: Für die Versorgung der ca. 1,4 Mrd. Einwohner des Landes, zur Bedienung von Exportmärkten und für die Befriedigung der sich wegen wandelnder Konsummuster ändernden Verbrauchererwartungen müssen Produktionssysteme modernisiert, aus- oder teilweise neu aufgebaut werden. Gleichzeitig gilt es, die teils immensen Umweltbelastungen (hoher Dünger- und Pflanzenschutzaufwand, Grundwasserbelastung, Emissionen usw.)  schnell und wirkungsvoll zu senken und die Lebensmittelsicherheit zu steigern.


 „More with less“ – mit diesen Worten brachte Prof. Wang Hanzhong, Vizepräsident der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaften (CAAS), diesen Spagat auf den Punkt, als er am 11. Juli 2017 mit fünf CAAS-Kollegen das Thünen-Institut besuchte. Hintergrund des Besuchs sind die Bemühungen der CAAS, die genannten Herausforderungen durch eine stärkere internationale Kooperation zu bewältigen. Deutschland steht dabei im Fokus der Suche nach Forschungspartnern.

Nach einer Einführung zu Profil, Aufgaben und strategischer Ausrichtung des Thünen-Instituts durch Forschungskoordinator Stefan Lange gaben Vizepräsident Wang Hanzhong und Xu Ming (Department of International Cooperation) einen Überblick zur CAAS. Sie beschrieben deren in allen chinesischen Provinzen verankerte Struktur, ihre Ausstattung und die neuen Möglichkeiten für CAAS-Forschergruppen, mithilfe zentraler Mittel eigene Forschungsprioritäten verfolgen zu können.

agri benchmark-Prinzip "Put your country in and get the world back" attraktiv für chinesische Gäste

Neben einer künftig intensiveren Kooperation im Bereich Ökolandbau konzentrierten sich die Gespräche vor allem auf agrarökonomische Themen. Yelto Zimmer, Koordinator von agri benchmark, erläuterte den chinesischen Gästen Ziele, Aufbau und Arbeitsweise dieses globalen Netzwerks von Agrarökonomen, Beratern und Produzenten. Die chinesischen Gäste waren sehr interessiert an der Kernidee von agri benchmark: Im eigenen Land mit international standardisierten Methoden Daten zu verschiedenen Produktionssystemen, deren Wirtschaftlichkeit, Rahmenbedingungen und Marktperspektiven zu erheben, sie zu analysieren und im Gegenzug Zugang zu den Daten aller teilnehmenden Länder zu erhalten.

China ist in einigen Bereichen von agri benchmark (Beef and Sheep, Pig, Cash Crop) bereits integriert, aufgrund der noch kleinen Zahl typischer Betriebe würde ein Ausbau des Netzwerks in China die Aussagekraft von Analysen aber deutlich verbessern. Ganz am Anfang steht die Mitarbeit Chinas im Bereich „Organic“ von agri benchmark, den Johanna Schott (Thünen-Institut für Betriebswirtschaft) vorstellte. Die CAAS-Delegation signalisierte Interesse daran, das System weiter auszubauen und so auch für nationale Untersuchungen besser nutzen zu können.

Im Vorfeld des Besuchs hatten die CAAS-Kollegen zudem ihr Interesse an modellgestützten Politikfolgenabschätzungen des Thünen-Instituts geäußert. Martin Banse und Petra Salamon (Thünen-Institut für Marktanalyse) präsentierten den chinesischen Gästen den Thünen-Modellverbund, stellten die Thünen-Baseline vor und gingen vertieft auf das Modell AGMEMOD ein.

Zum Abschluss unterzeichneten Vizepräsident Wang Hanzhong und Stefan Lange ein Memorandum of Understanding zwischen Thünen-Institut und CAAS. Die mit Unterstützung des Deutsch-Chinesischen Agrarzentrums zustande gekommene Vereinbarung ist vor allem für die chinesische Seite als Grundlage für künftige bilaterale Agrarforschungsaktivitäten von großer Bedeutung.